Die Erin Kampfbahn - ein Rückblick von Thilo Schlüsener

Kann man sich für eine Sportfläche sofort etwas unter Arena oder Stadion vorstellen, fällt die Herleitung des Begriffs Kampfbahn heute umso schwerer. Dabei kommen alle drei Begriffe aus derselben Zeit, der Antike.

Eine zweite Gemeinsamkeit ist, dass Sportstätten mit der Bezeichnung Stadion (z.B. das Deutsche Stadion später Olympiastadion in Berlin, das Stadion Müngersdorf in Köln oder die Wedau in Duisburg) mit dem gleichen städtebaulichen Gedanken gebaut worden sind wie die mit der Bezeichnung Kampfbahn (z.B. die Kampfbahn Rote Erde in Dortmund oder die Glückaufkampfbahn in Schalke). Und alle Areale entstanden in den 20er Jahren des 20. Jhd. und bedienten die große Sportwelt und ihren Spitzensport. Bei Stadion und Arena denkt man zurecht direkt an Athen und Olympia, Rom und Kolosseum, bei Kampfbahn aber wohl eher an Sport in Verbindung mit Arbeit. Dazu passt, dass ein Fußballspiel früher als Fußballkampf bezeichnet wurde.

Neben der Repräsentation für die Kommunen als architektonisches Vorzeigebauwerk in typischer Ovalform und mit Eingangssituation (Marathontor) war diesen Stadien vor allem eins gemein. Sie sollten die Einheit des Sports darstellen, wo Fußball, Handball, Leichtathletik, Radsport oder Schwimmen, etc. unter einem Dach stattfand.

Zu diesem Typus gehört auch die Erin-Kampfbahn. Zunächst wurde Mitte der 30er Jahre ein Turnplatz des Castroper TV von der Zeche Erin zum Sportplatz umgebaut. Im Gegensatz zu den meisten Sportflächen, die durch die Kommunen erbaut wurden, trieb hier - ähnlich wie in Schalke die Zeche Consolidation - ein Bergwerk das Projekt voran. Nutznießer war der BV Castrop 11, der den Platz bespielte und sich konsequenterweise 1936 in SG Erin 11 umbenannte und fortan als Werksportverein auftrat.

Nachdem die die Erin-Kampfbahn den Krieg mit den üblichen Bombentreffern überstand, erhielt der Sportplatz im Jahr 1948 durch den Einsatz von Lehrlingen der Zeche ein neues Gesicht. Erst wurde er von Kriegsschäden befreit, ehe man ihn durch Sieben von Asche, Verlegung von Drainage, Planieren, Nivellieren, Mauern und Streichen zu einer „mustergültigen Stätte für Leibesübungen wiedererstehen“ ließ. (Abb. 1)

Ein Jahr später entstanden neben dem Sportplatz Tennisplätze und ein Rasenplatz, ein weiteres Jahr später ein Basketballplatz und ein Zuschauerring mit 75 Platanen. Ebenso wurde ein nahegelegenes Wäldchen zu einer Parkanlage mit Promenadenwegen und Wiesen zu einer Sport- und Erholungsfläche umgewandelt. Dadurch avancierte die Sportfläche zur Kampfbahn und zum schönsten Sportplatzensemble der Stadt.

Es wird sofort klar, welche Sportstätten die Vorbilder der neu erstellten Erin-Kampfbahn waren. Auch hier wurde die Einheit des Sports durch die Vielzahl unterschiedlicher Sportflächen angestrebt. (Abb. 2)

Ebenso erreichte man durch die den Sportplatz umgebenden Bäume eine architektonische Situation wie sie aus den großen Stadien bekannt war. Ein weiteres Beispiel ist die Eingangssituation. (Abb. 3) Am Spieltag bzw. als der Platz bis 1938 noch keine Umkleidekabinen hatte, liefen hier die Mannschaften vom Zechengelände kommend sehr prominent ein. Selbst die Parkanlage war Konzepten dieser Art des Städtebaus entlehnt, denn viele dieser Areale wurden inklusive Schrebergärten und Grünflächen zur Erholung geplant. Ungewöhnlich dabei war nur der Aschenplatz.

In dieser Form bestand der Sportplatz mit den nicht ausbleibenden Alterserscheinungen bis 2004 bis er durch Wind und Wetter der Sanierung anheimfiel, da er die Zeche aufgrund der Kohlekrise ab 1958 zunehmend als Protegée verlor. Platzverein war bis zur Vereinigung mit SV Castrop 02 zur SG Castrop im Jahr 1962 weiterhin die SG Erin 11. Danach spielte hier nur noch die Jugend des Vereins. Neben einigen Gastspielen kleinerer Vereine, war die Kampfbahn vor allen Dingen auch Heimstätte für BW Obercastrop nach dessen Abspaltung von SG Castrop und der Gründung im Jahr 1965. 1998 fusionierte BW Obercastrop mit Wacker Castrop zu Wacker Obercastrop und zog auf den Sportplatz am Stadtgarten. Mit dem Verlust dieses Areals und der Sanierung der Erin-Kampfbahn 2004 schlug Wacker Obercastrop hier seine Zelte auf und SG Castrop verließ mit seinen Jugendmannschaften endgültig die Kampfbahn.

Durch die Modernisierung erhielt die Platzanlage neue Umkleidekabinen an der Stelle des ehemaligen Marathontors und einen Kunstrasenplatz. Die ehemaligen Kabinen und das alte Clubheim der SG-Jugend an der gegenüberliegenden Seite zum Haupteingang wurden abgerissen.

Als Kampfbahn hat die Anlage die Sanierung mehr schlecht als recht überstanden. Die Eingangssituation ist leider komplett entfernt worden, wodurch viel des alten Flairs verloren ging. Auch die begleitenden restlichen Sportflächen bspw. der Leichtathletik, welche sie erst in den Stand einer Kampfbahn erhoben, sind verschwunden. Aber wenigstens die Stadionsituation und somit ein Teil der städtebaulichen Idee konnte weitgehend erhalten bleiben und die Erin-Kampfbahn dadurch ihren Rang als Castrops schönstes Sportplatzensemble behaupten.

Demnächst mehr Bilder an dieser Stelle!